nicole gugger Wissen präsentieren: echt. einfach. emotional.

„PowerPoint ist schuld“
(M)eine Kritik an der Kritik

07.04.2014  |  Präsentation, Software  |  Autor: Nicole Gugger  |  10 Kommentare
Oh was nerven mich diese PPT-Bashing-Artikel. Es scheint der Popularität und Aufmerksamkeit sehr zuträglich zu sein, wenn man laut verkündet einen Schuldigen gefunden zu haben und nun Allheilsversprechen abgibt, wie man mit Flipcharts die Welt vor den bösen PowerPoint-Präsentationen retten kann.
Dornenkrone_© ChristArt - Fotolia.com

Anders kann ich mir nicht erklären warum Menschen, die es besser wissen sollten – sogenannte Rhetorik-, Präsentations- und Schlagfertigkeitstrainer, alle in das gleiche Horn blasen. Selbst eine Anti-Power-Point-Partei gab es schon. International hat sich Edward R. Tufte, ein ehemaliger Professor für Informationswissenschaft und Design mit seiner PowerPoint-Kritik einen weitreichenden Namen gemacht. 

Aktuelle Beispiele gefällig? Hier oder hier.

Was ich all diesen „Experten“ anlaste ist, dass sie eine Software beschuldigen der Grund für schlechte Vorträge und Meetings zu sein.

Beschimpfen Sie Ihren Hammer dafür, dass Sie den Nagel nicht treffen um ihn in die Wand zu bekommen?
Den Stadtplan für Ihren fehlenden Orientierungssinn?
Beschuldigen Sie Ihr Auto, wenn jemand anderes Ihnen die Vorfahrt nimmt?
Microsoft Word dafür, dass so schlechte Bücher geschrieben werden?
Wohl kaum. Und wenn, dann ist Ihnen Ihr törichtes Verhalten durchaus bewusst.
Warum dann also?

Berechtigt ist dagegen die Kritik an der miserablen Anwendung. Ich stimme vollkommen zu, dass die typische PowerPoint-Präsentation schlecht und nicht zielführend ist. Lieblos aneinandergereihte Unmengen von Text, Bulletpoints, unübersichtliche Statistiken  und bunte Rahmen drumrum ergeben nun mal keine gute Präsentation. Das gilt übrigens auch für Flipcharts. Und ja, in einem Meeting ist ein Memo oder eine ausgedruckte Agenda oftmals die sinnvollere Maßnahme. Wenn Sie Tipps für eine bessere Meeting-Kultur suchen, finden Sie hier übrigens gute Ansätze.

 

Aber warum machen wir das so?

1. Kaum jemand hat es das präsentieren gelernt. Und wenn, dann oft auch noch falsch. Das ist ein Lehrer-Leitfaden für das Thema Präsentation – er ist schlicht miserabel und führt zu den typischen Präsentations-Katastrophen, die im Klassenzimmer schon anfangen.

2. Wir bekommen es seit Jahren von allen Seiten falsch vorgeführt und ahmen es einfach nach. Das ist genau die Art wie Menschen schon immer gelernt haben.

3. Es anders zu machen braucht Reflexion, Zeit, Energie und Mut. Fast jeder hat schon unter langweiligen Folienschlachten gelitten, aber man muss es auch ändern wollen. Das lesen von Fachliteratur, umsetzen und ausarbeiten kostet eine ganze Menge Zeit. Und schlussendlich braucht man auch noch den Mut aus dem Raster zu fallen. Sich über einen vorgegebenes Masterdesign hinwegzusetzen. Das ist schon eine ganze Reihe von Hindernissen, die es zu überwinden gilt.

4. Und nicht zuletzt – Daniel Kahnemann führt in seinem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ eindrücklich vor, wie stark der Mensch zur Oberflächlichkeit tendiert. Nachdenken ist anstrengend und kostet Zeit, also wird es (zu) oft vermieden. Wenn man den großen Philosophen glaubt, grenzt es an Genie Dinge einfach und wesentlich  zu machen. Wie können wir einer Software unsere menschliche Natur anlasten? Das ist der beste Beweis, es ist bequem und oberflächlich. Und damit dumm.

 

„People who know what they’re talking about don’t need PowerPoint“ Steve Jobs

Stimmt. Trotzdem hat er es (bzw. das Apple-Pendant) bei seinen legendären Keynotes genutzt. Weil es gute Gründe dafür gibt.

 

Warum ist PowerPoint sinnvoll?

Weil sich grundsätzlich alle Menschen und ca. 60% sogar deutlich besser an Informationen erinnern können, wenn sie mit etwas Bildhaftem verknüpft sind.

Weil komplexe Prozesse, mehrdimensionale Organigramme und Diagramme viel leichter nachvollziehbar sind, wenn man sie visuell aufbereitet.

Weil Sie vor großem Publikum präsentieren und ihre visuelle Ergänzung für alle gut sichtbar sein soll.

Weil ihre Präsentation eine Qualitätsanmutung braucht, der analoge Medien oft nicht gerecht werden.

Weil Sie einen Vortrag immer und immer wieder halten. Das ist auch ein bisschen bequem, spart aber zusätzlich Zeit und Papier.

 

Fazit: Auch scheinbare Experten erzählen manchmal Mist. Benutzen Sie bitte Ihren eigenen Kopf.

Im Zweifel für den Angeklagten….

 

Bildquelle © ChristArt – Fotolia.com

Kommentare zu diesem Artikel

[…] Gugger ““PowerPoint ist schuld” (M)eine Kritik an der Kritik” – Nicole Gugger nerven Artikel, in denen Powerpoint-Bashing betrieben […]

Matthias Pöhm  |  28. Mai 2014 um 12:12 Uhr

Liebe Frau Gugger, ich lade Sie ein, mit mir zusammen herauszufinden „was ist“? Wenn Sie bereit sind nicht nur einer Theorie zu folgen, sondern wirklich zu untersuchen, „Was ist“ dann bitte ich Sie weiterzulesen. Ansonsten ignorieren Sie bitte das Folgende.

Ignaz Semmelweis war ein österreichischer Arzt, der 1847 publik machte, er habe durch Test herausgefunden, dass man sich vor der Operation die Hände waschen sollte, denn dadurch könne man das tödliche Kindbettfieber verhindern. Ignaz Semmelweis wurde lächerlich gemacht und sogar aus der Ärztekammer geworfen. Er starb 20 Jahre später vereinsamt in einer Irrenanstalt. Man hatte damals eine andere Theorie, an die man glaubte. Kindbettfieber entsteht durch schlechte Luft und Milchstau. Niemand hatte damals seine Forschungen überprüft.

Galileo Galilei hat man 1633 den Prozess gemacht, weil er behauptete, dass nicht die Erde Mittelpunkt des Sonnensystems sei, sondern die Sonne. Galileo wurde der Tode auf dem Scheiterhaufen angedroht, wenn er seine Lehre nicht widerrufen würde.
Man hatte damals eine andere Theorie, an die man glaubte. In der Bibel steht, dass die Erde im Zentrum ist und die Bibel kann sich nun mal nicht irren. Galileo hatte Messergebnisse, die die Inquisitoren hätten anschauen können. Niemand hatte damals seine Forschungen überprüft.

Sie schreiben: Es liegt nicht am Hammer, wenn der Nagel nicht sauber in die Wand geht, sondern am Benutzer.
Der Hammer ist Synonym für PowerPoint.

Stellen Sie sich vor, jemand hat ein Werkzeug entwickelt, das er „Zweckel“ nennt. Der Erfinder sagt: „Der selbe Benutzer, der sonst immer mit dem Hammer den Nagel versucht in die Wand zu schlagen, sollte mal den Zweckel austesten, denn ich habe festgestellt, damit hat man viel häufiger, viel bessere Ergebnisse als mit dem Hammer.
Ich sage nicht, dass der Hammer ein schlechtes Werkzeug ist, ich sage nur, mit dem Zweckel bekommt man im Durchschnitt viel bessere Ergebnisse. Man hat mehr Schlagkraft und mehr Treffsicherheit.“

Und genauso ist es auch mit PowerPoint. Ich sage nicht, dass PowerPoint schlecht ist, ich sage nur, dass man mit dem Flipchart im Durchschnitt viel bessere Ergebnisse bekommt. Man hat mehr Schlagkraft und mehr Treffsicherheit.
Aber, ich kann mich täuschen, vielleicht ist der Hammer das bessere Instrument. Lassen Sie uns es doch einfach ausprobieren und meine Forschungen überprüfen, einverstanden?

Ich bin nicht hier, um im schriftlichem Hin- und Her eine Theorie gegen die andere kämpfen zu lassen, sondern ich bin hier um herauszufinden „was ist“. Ich will die Theorien einfach in der Praxis überprüfen, um nicht die selben Fehler zu begehen, die bei Ignaz Semmelweis und Galilleo gemacht wurden.

Hier mein Angebot:
Sie erstellen eine ein bis zweiminütige PowerPoint-Präsentation, die sie abfilmen und auf YouTube stellen. Ich erlaube mir, dann im Gegenzug die selbe Präsentation mit dem Flipchart zu erstellen und ebenfalls auf YouTube zu stellen. Und das machen wir mit 5 unterschiedlichen Präsentationen und dann schauen wir uns gemeinsam das Ergebnis an. (Der Fairnesshalber sollten nicht nur Fotos in der PowerPoint benutzen)
Schreiben Sie mir, wenn Sie diesen Praxistest gerne machen würden.
Liebe Grüsse
Matthias Pöhm (Email bekannt)

Nicole Gugger  |  29. Mai 2014 um 07:45 Uhr

Hallo Herr Pöhm, welch nette Überraschung Sie auf meinem Blog zu sehen. Interessante Idee, die Sie hier vorschlagen, doch ich lehne „Ihr Angebot“ dankend ab.

Ich behaupte nicht, dass PPT immer die bessere Lösung ist, sondern, dass eine generelle Verurteilung der Software weder sinnvoll noch zielführend ist. Die Wahl des Präsentationsmediums ist immer eine Frage von Rahmenbedingungen und Persönlichkeit. Von daher ist ein Wettkampf wie Sie ihn vorschlagen für mich bedeutungslos.

Viel eher wäre es eine schlichte Zählung von Sympathiebekundungen – aufgrund Ihres Bekanntheitsgrades kein objektives Instrument.

„Der Fairnesshalber sollten Sie nicht nur Fotos in der PowerPoint benutzen“ Was hat das mit Fairness zu tun? Genau darin liegt der große Vorteil von PPT. Ergänzt um Schaubilder und Graphiken. Falls Sie auf Bulletpointlisten hofften – die gibt es bei mir generell nicht.

Wer Interesse an positiven Beispielen mit Slide-Unterstützung hat, wird auf TED.com mehr als fündig.

Ich werde Sie nicht überzeugen und Sie mich nicht. Ich bin sicher, Sie haben Ihr Publikum und Ihre Klientel, sowie ich meine habe. Belassen wir es dabei und freuen uns über die Vielfalt.

Liebe Grüße,
Nicole Gugger

ffolliet  |  28. Mai 2014 um 13:17 Uhr

Kommentar* Matthias Pöhm (excuse the English) What you are suggesting is hardly scientific, it is a comparison of both media and of both speakers. To directly compare media you should both use an identical audio track and compare only the supportive media. That in itself is a challenge as the dislike for powerpoint itself, whatever its quality, may negatively influence those who see flip chart as simply something different, separate from its quality.

Uwe Cohrs  |  28. Mai 2014 um 13:28 Uhr

Meine Erfahrung:
Ich benutze 5 PPT Slides um unsere Firma vorzustellen.
Sehr oft mache ich mein Laptop nicht einmal an; sondern benutze meinen eigenen „Speicher“.

Marko Hamel  |  28. Mai 2014 um 21:27 Uhr

Liebe Frau Gugger,

sie haben Recht, es gibt schlechte und gute Foliensätze. Genauso wie es schlechte und gute Redner gibt. In meiner Welt hat der heutige inflationäre Einsatz von vorgefertigten PPT-Foliensätzen vor allen Dingen einen großen Nachteil: Die ppt’s werden einmal erstell und viele Mal unreflektiert vorgetragen. Der Kunde merkt einfach, dass diese Präsentation nicht für ihn und sein Problem erstellt wurde, sondern einfach aus der Schublade einer Marketingabteilung kommt und minimal angepasst wurde. Der Kunde fühlt sich nicht wertgeschätzt und das Geschäft kommt – obwohl es vielleicht schon kurz vor dem Abschluss war – nicht zustande. Mit Visualsierungen am Flipchart ist der Redner hier wesentlich flexibler. Das begeistert und steigert das Ergenis und führt zu mehr Zufriedenheit auf beiden Seiten. Liebe Grüße, Marko Hamel

Nicole Gugger  |  29. Mai 2014 um 08:16 Uhr

Guten Tag Herr Hamel,

vielen Dank für Ihren Erfahrungsbericht. Mir geht es wie Ihnen – ich verurteile den inflationären, unreflektierten Einsatz von vorgefertigten Foliensätzen!

Natürlich kann im Kundengespräch ein Flipchart das optimale Medium sein. Sie werden mir aber Recht geben, dass die Vorbereitung von individuellen und aussagekräftigen Visualisierungen immer Aufwand bedeutet. Und wenn es mit Erlernen des visualselling ist. Doch mit Wertschätzung und punktgenauer, individueller Vorbereitung kann man eben auch mit PowerPoint begeistern – wenn man es richtig macht. Und welches Medium passt bleibt eine Frage von Rahmenbedingungen, Vorlieben und Persönlichkeit.

Viele Grüße,
Nicole Gugger

[…] presentation enthusiast Nicole Gugger recently posted an article (in German) defending PowerPoint against all the boilerplate criticism. Bashing PowerPoint is […]

Matthias Pöhm  |  29. Mai 2014 um 11:17 Uhr

Liebe Frau Gugger
Wenn Sie bei einer PowerPoint Präsentation ausschliesslich Fotos zeigen, dann wird der Beamer nur als Dia-Projektor benutzt. Fotos (ohne Beschriftung) gehören zu den 5 % Ausnahmen, bei denen auch ich aus Erfahrung gesehen habe, das PowerPoint seine Berechtigung hat. Gegen PowerPoint als Dia-Projektor anzutreten würde dem Anwender nichts zeigen.

Mein Angebot galt, gegen eine ganz normale „gut gemachte“ PowerPoint Präsentation anzutreten. Mit Balkencharts, Kernbotschaften, Ablaufdiagrammen, embedded Fotos… was man halt so hat.
Mir ging es nur darum herauszufinden: Haben Sie die Alternativmethode Flipchart wirklich einmal in der echten Gegenüberstellung zu PowerPoint ausprobiert? Haben Sie das WIRKLICH mal gemacht?

Meine Erfahrung ist, dass alle Leute, die in meinem Seminar wie Sie argumentieren, es NIE gemacht haben.
Die Teilnehmer beurteilen, wie damals die Inquisitoren bei Galileo, einfach aus einem Glaubenssatz heraus. „Es liegt am Anwender, nicht am Hammer“. Das passiert übrigens nicht nur bei PowerPoint, das passiert mit fast allen unseren Glaubenssätzen im Leben. Jeder Leser kann das gerne bei sich einmal überprüfen.
Wir GLAUBEN nur alles, und dafür kämpfen wir manchmal bis zum Blut, im Prinzip wissen wir fast nichts.
Sie machen Ihre Seminare sicher gut, daran besteht bei mir kein Zweifel.
Ich war auch mal am Anfang, wie Sie und wünsche Ihnen von Herzen in Ihrer Trainerkarriere viel Erfolg
Liebe Grüsse
Matthias Pöhm

Nicole Gugger  |  29. Mai 2014 um 11:46 Uhr

Lieber Herr Pöhm, „ganz normal“ klingt nach Standard und der ist – wie wir alle wissen – schlecht.
Mir geht es nicht ums aufhübschen, mein Anspruch ist TED-Niveau. Wenn Sie Lust haben mehr von mir zu lesen, werden Sie das auch herausfinden.

Und ja entgegen Ihrer Annahme habe ich es WIRKLICH gemacht und nutze Flipcharts auch regelmäßig, oft in Ergänzung. Manchmal ist es auch für mich das bessere Medium – immer dann wenn ich spontan und interaktiv arbeite. Manchmal ist auch ganz pur und medienlos mein Mittel der Wahl. Ich persönlich schätze jedoch auch die professionelle Qualitätsanmutung, den emotionalen Wert von Fotos und die gute Sichtbarkeit von PPT und Keynote. Das muss nicht immer und nicht für jeden so sein. Aber ich unterstütze mit Herzblut die, die das auch so sehen und weiterentwickeln wollen. Vielen Dank für Ihre Wünsche und einen schönen Tag! Herzliche Grüße, Nicole Gugger

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